MOSAIK heißt das am 1. Mai 2019 gestartete Projekt, welches vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Bereich „Konstruktionsprinzipien und Laufzeitmethodik für dynamische IT-Systeme“ gefördert wird. Das über drei Jahre laufende interdisziplinäre Projekt hat sich zum Ziel gesetzt, Methoden der Selbstorganisation zu erforschen, um Szenarien im Internet der Dinge (IoT) dezentralisiert umsetzen zu können. 

In der Blogserie “Die MOSAIK-Partner” werden in den kommenden Wochen alle Projektpartner vorgestellt, die am MOSAIK-Projekt mitarbeiten. Das MOSAIK-Konsortium besteht aus einem interdisziplinären Team, dessen Hintergründe mit dieser Interviewreihe näher beleuchten werden sollen. Den Start hat unser Team von NETSYNO gemacht.


Herr Denner, Sie sind Geschäftsführer der NETSYNO Software GmbH. Woher kommt ihr Interesse, an Forschungsprojekten als Praxispartner teilzunehmen?

Als kleines mittelständisches Unternehmen gibt uns die Teilnahme an Forschungsprojekten die Möglichkeit, aktuelle Forschungsfragen aus der Wissenschaft aufzugreifen, von den skizzierten Lösungsansätzen zu profitieren und diese in unseren Arbeitsalltag und in Kundenprojekte zu integrieren. Anders herum stoßen wir in unseren Kundenprojekten immer wieder auf spannende Herausforderungen und Fragestellung, welche die wissenschaftliche Community aufgreifen kann, um hierfür Lösungen zu entwickeln.

In der Vergangenheit haben wir bereits bei verschiedenen Forschungs- und Förderprojekten teilgenommen:

  • In dem europäischen Großforschungsprojekt Facts4Workers wurde in enger Kooperation mit der Universität Zürich eine umfassende Analyse der Arbeitspraktiken in der Produktion von sechs Unternehmen in Europa durchgeführt. Das Ziel war es, mit sozio-technischen Lösungen die Arbeitszufriedenheit der MitarbeiterInnen in der Produktion nachhaltig zu steigern und so die Attraktivität der Arbeitsplätze für Facharbeit zu erhöhen.
  • Das Projekt Use-PSS wird im Rahmen des Förderschwerpunkts „Mittelstand-Digital – Strategien zur digitalen Transformation der Unternehmensprozesse“ vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) gefördert. Ziel ist es, mittelständische Unternehmen zu unterstützen und im Rahmen von realen Anwendungsfällen mit kleinen und mittelständischen Unternehmenspartnern einen innovativen Usability-Gestaltungsrahmen zu entwickeln sowie zu erproben.

Was ist INOPAI und welche Ziele verfolgen Sie damit?

Vor etwa 10 Jahren erlebten wir während des Studiums den Aufstieg von dem, was wir heute “Social Media” nennen: Facebook, Twitter und jetzt auch u.a. Instagram, WhatsApp und SnapChat. Für meinen Mitgründer Daniel Rech und mich lag es auf der Hand, dass diese neuen Interaktionsmöglichkeiten – welche zunächst vor allem im privaten Bereich eingesetzt wurden – auch für die Industrie ganz neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit ermöglichen. Mit dem Ziel, diese neuen Möglichkeiten und die damit verbundene Effizienzsteigerungen Organisationen und Unternehmen in Europa zugänglich zu machen, entwickelten wir die Plattform INOPAI.

INOPAI ist ein Kunstwort und steht für INspire Organisations & People to Accelerate Innovation and Internal operations. INOPAI stellt die Menschen und deren Organisationen in den Mittelpunkt, in dem es seinen Benutzern einen zugeschnittenen Baukasten an die Hand gibt, um individuelle Kommunikations- und Organisationslandschaften zu bauen und darin zu arbeiten. Der Clou ist, dass der Baukasten ohne Programmierkenntnisse bedient werden kann und die Plattform nach deutschem Datenschutz betrieben werden kann.

Gemeinsam mit unseren Kunden entwickeln wir so webbasierte Plattformen in unterschiedlichsten Anwendungsfeldern, z.B. Bürgerbeteiligungsplattformen für Ministerien, Service-Prozessplattformen für Gerätehersteller, Zeugnisplattformen für Schulen, eine digitale Gesundheitsplattform für eine Uniklinik, eine digitale Laufkarte für die Produktion von Geräten, Plattformen zur Begleitung und Unterstützung von Innovationsprozessen, uvm.

Immer wenn das erste Teammitglied anfängt eine Excel-Liste per E-Mail herumzuschicken, dann fangen wir damit an den Prozess mit Hilfe von INOPAI zu unterstützen und in den Alltag zu integrieren. Die effiziente und wissensintensive Zusammenarbeit von Mitarbeitern, Management und Geschäftspartnern in Unternehmen und Organisationen rückt immer mehr in den Fokus der Wertschöpfung und wird zunehmend zu einem Maßstab der Wettbewerbsfähigkeit. Basierend auf dieser Ausgangslage, wird die Rolle von digitalen Werkzeugen für die Abbildung eines effizienten Wissensmanagements und digitaler Arbeitsabläufe zukünftig eine noch zentralere Rolle spielen, insbesondere in mittelständischen Betrieben. Genau an dieser Stelle kann INOPAI einen entscheidenden Mehrwert liefern.

Was war der Anreiz für Sie an dem MOSAIK Projekt teilzunehmen?

Kollegen von NETSYNO haben gemeinsam mit Professor Dr. Andreas Harth ausgehend von den Konzepten des Semantic Web und Linked Data verschiedene Abschlussarbeiten geschrieben. Die thematische Spannweite ging von Strukturmodellen für das Smartgrid bis hin zu Prozessbeschreibungssprachen. Aufbauend auf diesem gemeinsamen Verständnis und Vertrauen, haben wir uns über die Einladung zur Teilnahme an einem Grundlagenforschungsprojekt sehr gefreut. Das Thema “von der Natur lernen” für die IT-Architekturen der Zukunft, ist zudem für uns als Software-Unternehmen inhaltlich sehr spannend. Das Projekt bietet uns die Möglichkeit über den Tellerrand der Industrieprojekte hinaus zu schauen und das neue Wissen in die Praxis zu überführen.

Ziel des Projekts ist es, Methoden der Selbstorganisation zu erforschen, um Szenarien im Internet der Dinge (IoT) dezentralisiert umsetzen zu können. Was bedeutet für Sie “Selbstorganisation”?

Selbstorganisation ist ein sehr weiter Begriff, der in unterschiedlichen Kontexten und Disziplinen auch unterschiedliche Definitionen haben kann. So beschäftigen wir uns bei NETSYNO beispielsweise seit einiger Zeit mit der Selbstorganisation in unserem Team und versuchen einen Rahmen aufzustellen, der es allen Beteiligten ermöglicht, möglichst selbstbestimmt handeln zu können. Wir setzen hier auf die Konzepte der Firmen DNA nach Gebhard Borck.

Auf der anderen Seite ist Selbstorganisation auch in Hinblick auf die Geräte und Maschinen unserer Kunden aus dem Geräte- und Maschinenbau hoch spannend. Es gibt Ideen, dass Geräte in Zukunft ihren Wartungsbedarf “selbstständig” anmelden und sich proaktiv melden, wenn ein Problem in absehbarer Zeit auftreten könnte. Ziel ist es hier, die Stillstandzeiten zu minimieren. Wir versuchen die Selbstorganisation so viel wie möglich im Alltag zu ermöglichen indem die Systeme die wir in unseren Projekten konzipieren und Umsetzen möglichst häufig offene Standards wie Sprachen des Semantic Webs verwenden und miteinander vernetzt sind. Auf Basis dieser offenen Infrastruktur können Personen oder intelligente Agenten Entscheidungen besser treffen und ermöglichen eine zunehmend engere Zusammenarbeit von vielen unterschiedlichen Informationssystemen.

Welche Rolle hat NETSYNO innerhalb des MOSAIK Projekts und welchen Mehrwert sehen Sie für Ihr Unternehmen und Ihre Produkte?

Zum Projekt MOSAIK steuert NETSYNO ein Kundenszenario im Bereich Prozessmodellierung im Umfeld des Internets der Dinge bei, welches von einem mittelständischen Gerätebauer eingebracht und von NETSYNO begleitet wird. Im Rahmen des Projektes soll ein Kommunikationsmodell für industrielle Maschinendaten entwickelt werden, welches die Grundlage für Prozessbeschreibungen bildet. 

Komponenten sollen sich selbstorganisiert, also ohne zusätzlichen Code-Implementierungsschritt, zu Prozessen aggregieren können. Darüber hinaus ist NETSYNO an der Entwicklung einer graphischen Repräsentation für Prozesse beteiligt, um allen Prozessbeteiligten, sowohl technischem Fachpersonal und Anwendern als auch der Führungsebene, Zusammenhänge deutlich machen zu können. NETSYNO wird die entwickelten Methoden und Verfahren im Hinblick auf das Szenario evaluieren und strebt über die Projektlaufzeit hinaus eine robuste Weiterentwicklung an. Grob Zusammengefasst kann man sagen, dass zu basierend auf bestehenden Prozessmodellierungssprachen wie BPMN ein Baustein hinzugefügt werden soll um einfache, lebendige Prozesse beschreiben zu können. Die Wirksamkeit der Prozessmodellierung kann so im Alltag in der Anwendung erprobt und verbessert werden.

Darüber hinaus begleiten wir von NETSYNO das Projekt und zeichnen uns für die Kommunikation nach Außen verantwortlich. Ziel ist es, die doch sehr technischen und abstrakten Projektergebnisse für Praktiker und Interessierte zugänglich und anschlussfähig zu machen. Zentrales Kommunikationswerkzeug ist die Projektwebsite https://mosaikprojekt.de/.


Das Interview ist zuerst auf der Webseite des MOSAIK Projekts veröffentlicht worden unter https://mosaikprojekt.de/2020/02/11/die-mosaik-partner-netsyno-software-gmbh/