Anlässlich des Wissenschaftsjahres 2019 „Künstliche Intelligenz“ widmeten sich im Colloquium Fundamentale des ZAK Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Publizistik und Politik aktuellen Fragen zur Entwicklung der KI-Technologien.

Prof. Dr. Martina Heßler ist Professorin für Technikgeschichte an der Technischen Universität Darmstadt. In ihrem Vortrag greift sie den Schachcomputer Blue auf, der im Jahr 1997 den langjährigen Schachweltmeister Garri Kasparov besiegte. Das Turnier war ein inszeniertes Spektakel, das ein immenses Medienecho auslöste und als Meilenstein der KI-Forschung gefeiert wurde. Das inzwischen historische Beispiel eignet sich, um – mit einiger historischer Distanz – Grundfragen eines Mensch-KI-Umgangs zu diskutieren. 

Eine für den Menschen fundamentale Frage muss immer wieder gesellschaftlich neu verhandelt werden, nämlich die nach der Position und Rolle des Menschen in einer technisierten Welt. Wie ist unser Mensch-Maschinen-Verhältnis? Gemeint sind hier zum Beispiel die Arbeitsteilung zwischen Menschen und Maschinen, die Hierarchien, aber auch das alltägliche Zusammenleben. 

Die Frage, welchen Einsatz Maschinen in der Gesellschaft haben, wurde bereits von Philosophen wie Aristoteles behandelt, spätestens jedoch mit der Industrialisierung wurde sie zum gesamtgesellschaftlichen Thema. Die Forschung rund um Künstliche Intelligenz begann in den 1940er Jahren und war von vielen Höhen und Tiefen geprägt. Die heutigen KIs sind das Ergebnis langer und komplexer Forschungen. Allein die Entwicklung des Schachcomputers Blue dauerte rund 40 Jahre und basiert auf der Arbeit vieler verschiedener Forscherinnen und Forscher. 

Science Fiction ist nun real geworden

Als Blue 1997 gewann, kommentierten viele Beobachter Science Fiction sei nun real geworden. Anders als im Vorfeld des Turniers, wurden nach dem Sieg viele relativierende und gegnerische Stimmen laut. Es kristallisierte sich heraus, dass Menschen lieber unter sich bleiben wollen. Der Sieg des Computers wurde als Niederlage der Gattung Mensch wahrgenommen und anthropozentrische Ängste um die Sonderstellung des Menschen wurden laut. 

Momentan scheint die Frage, wie weit wir Künstliche Intelligenz in unser Leben lassen, weitgehend entschieden. Computer werden als Intelligenzverstärker eingesetzt und sollen die Eigenschaften und Fähigkeiten der Menschen verstärken und zwar immer unter der Kontrolle des Menschen. Wir sprechen hier auch von einem kollaborativen Mensch-Maschine-Verhältnis, in dem die Hierarchie allerdings klar definiert ist und der Mensch stets die Kontrolle hat. Die Historie zeigt, dass Menschen sich erst einmal in Konkurrenz zur Maschine interpretieren. Eine Überlegenheit der Maschinen wird dann akzeptiert, wenn diese als Werkzeug umgedeutet werden kann.

Im nächsten Artikel wird es um das Thema „Mobile maschinelle Wahrnehmung für Automatische Automobile. Wenn Autos besser fahren als wir Mensche.“ gehen. Weitere Infos zu dieser Artikelserie und allen Blogbeiträgen finden sich in „Künstlich aber real – Die stille Revolution der KI-Technologien„.

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Gianna Reich
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