Rezession zu „Die selbstwirksame Organisation – Das Playbook für intelligente Kollaboration“

Knapp zwei Jahre nach dem Buch „Chef sein? Lieber was bewegen! – Warum wir keine Führungskräfte mehr brauchen.“ legt Gebhard Borck sein nächstes Werk vor. Dieses Mal ist es auf vielfachen Wunsch (auch von mir) ein Buch, das die Leser:innen in die Lage versetzt, in der eigenen Organisation selbstwirksam zu werden. Gebhard legt ein spielerisches Buch vor, welches sich zurecht als Playbook bezeichnen lässt.

Vorneweg: Es ist ein wundervolles Werk und ein weiterer (erster?) wichtiger Schritt in die didaktische Aufbereitung und Systematisierung der Grundlagen für eine Betriebswirtschaftslehre mit Menschen. Doch wo kämen wir hin, wenn ich bei dieser Lobhudelei bliebe. Also richte ich meinen Blick im Folgenden ein wenig differenzierter und kritischer auf den Text:

Zu Beginn können Leser:innen in einer Selbsteinschätzung feststellen, welche Episode der richtige Startpunkt wäre. Gebhard bietet welche für Einsteiger:innen, Fortgeschrittene und Profis. Ich persönlich empfehle auch den vermeintlichen Profis bei der 1. Episode anzufangen.

In Episode 1 stellt Gebhard Grundlagen vor, um drei unterschiedliche Unternehmenswelten als Blaupause einzuführen. Episode 2 gibt einen Überblick zum „Regelwerk der Betriebskatalyse“ – hier werden neben dem Ziel vier Denkwerkzeuge für die Betriebskatalyse vorgestellt. In Episode 3 gibt Gebhard einen Einblick in die tägliche Praxis der Betriebskatalyse. Dies erfolgt anhand von Einblicken in den Werkzeugkasten sowie die Methoden und Konzepte der Betriebskatalyse und schließt mit kurzen Fallstudien zu Gebhards Kunden.

Es ist das erste Werk, das interessierten und humortoleranten Leser:innen ermöglicht, die Grundlagen einer Betriebswirtschaft mit Menschen zu erkennen und vielleicht sogar zu erlernen. Es fällt mir schwer abzuschätzen, ob die Lektüre ohne Perspektivreise oder Supervision von Gebhard bzw. Joan ausreicht, die ersten Monate einer solchen Transformation zu überstehen und sich selbst treu zu bleiben.

Für all jene, die sich damit auseinander setzen und es aktiv in ihrer Organisation (er)leben, bietet es ein erstes Lehrwerk und das ist gut. In der Summe sehe ich das Buch für die „Early Adopters“ einer revolutionären Idee von Betriebswirtschaft. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, es macht den Alltag nicht immer einfacher aber immer sinnvoller.

Es bleibt der Wunsch nach einem Werk, das an Schulen und Universitäten gelesen und vermittelt werden kann. Gebhard hat mit diesem Buch einen wichtigen Schritt in diese Richtung getan, aber ob dieser schon ausreicht werden wir sehen.

In diesem Sinne freue ich mich über Eure Meinung zu Gebhards Werk. Und Dir lieber Gebhard, herzlichen Dank für diesen Lichtblick in der Wirtschaftsliteratur im Jahr 2020.

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